Frischer Fisch!

Sebastian am 5. Oktober 2008 um 17:38

Gesalzen, süßsauer, mit Moltebeeren oder Zwiebeln, Knoblauch oder Cayennepfeffer, einfach nur mit Dill oder in Zitronenmarinade. Verschiedenste Fischdelikatessen gibt es seit heute auf dem Marktplatz in Helsinki beim “Baltic-Herring-Market”.

Bereits seit 1743  – damals noch unter schwedischer Aufsicht – zum Ende der Angelsaison kommen die Fischer aus vielen Teilen Finnlands mit ihren Kähnen in den Hafen von Helsinki, um ihren Fang zu verkaufen.
Ein harter Ton herrschte viele Jahre auf dem Herings-Markt, denn die besten Anlegeplätze waren begehrt und wurden nach der Reihenfolge des Eintreffens an die Fischer vergeben. Seit 1933 sind diese Zeiten jedoch vorbei und ein Losverfahren entscheidet Wochen im Voraus, welcher Fischer welchen Anlegeplatz zugewiesen bekommt. Mit der zunehmenden Industrialisierung war 1959 jedoch eine weiter Änderung dieses Losverfahrens nötig und so werden bis heute nur Fischer zugelassen, die nachweisen können, dass ihre angebotenen Produkte ausschließlich von ihnen gefangen, hergestellt und verarbeitet wurden.
So geht es heute friedlich zu auf dem Herings-Markt und tausender Touristen, Besucher und Fischliebhaber können verschiedenste Leckereien direkt “ab Boot” erwerben. Etwa 70 verschiedene Boote und Stände laden dazu ein.

Der Heringsmarkt hat noch bis 11. Oktober geöffnet.

Back in Helsinki

Sebastian am 25. September 2008 um 20:01

Der letzte Eintrag in meinem Blog liegt schon mehrere Monate zurück. Grund war die – wie heutzutage ja übliche – Sommerpause und mein “Urlaub” in Deutschland (mein Uni-Projekt abgeben und vortragen; hier und da Besuche abstatten und ausgiebig ausspannen). Pünktlich zum Herbstbeginn und dem sicherlich bald eintreffenden Winter bin ich nun wieder zurück in Helsinki. Diesmal für meine Diplomarbeit.
So gibt es in den nächsten sieben Monaten wieder etwas mehr zu lesen als in den vergangenen Wochen, denn viele interessante Geschichten aus Finnland sind schon in Planung. Also, dranbleiben lohnt :-)

Begegnungen in Finnlands Osten (3)

Sebastian am 28. Mai 2008 um 11:51

J. J. – wie er sich selbst nennt – ist ein richtiger Aussteiger. Während seines Biologie-Studiums hat er sich mühsam einen Fahrradladen in Joensuu aufgebaut. “Der ging richtig gut. Ich war sogar oft in Friedrichshafen. Die Messe dort hat immer die besten Neuheiten, die wir dann importiert haben.”

Nach 15 Jahren war das Studium dann zu Ende und J. J. hat sich voll auf sein Ladengeschäft konzentriert, “aber irgendwann musste ich einfach was anderes machen.” 2001 kam dann der Ausstieg: “Ich habe den Laden an den Nagel gehängt und mir dafür diesen Lebenstraum erfüllt. Nach langem Suchen habe ich dieses Stück Land am Rande des Koli-Nationalparks gefunden und gekauft. Seither arbeite ich hart daran, diese Farm wieder so aufzubauen, wie sie in den 1950er Jahren verlassen wurde. Das Haupthaus steht ja schon, aber ist noch nicht ganz fertig.”

Bei J. J. zu wohnen ist, wie in einem Museumsdorf einzuziehen: der alte Brotofen im Wohnzimmer verbreitet eine mollige Wärme, die alten Dielen knarzen bei jedem Schritt und die Sonne glitzert in den alten Fenstern. Das Grundstück ist riesig und reicht bis an einen See, der mehrere hundert Meter entfernt liegt.

Wie er die alten Häuser baut, wollen wir von J. J. wissen: “Oft komme ich durch Zufall darauf. Vor einiger Zeit bin ich an einer verlassenen Farm einige hundert Kilometer von hier vorbeigekommen. Ich hatte dem Grundstückseigner meine Telefonnummer gegeben und ihm gesagt, dass er – sofern er das Haus jemals verkaufen möchte – gerne jederzeit auf mich zukommen soll. Eine Woche später hat er mich dann angerufen und gefragt ‘Hey, was zahlst du?’ Irgendwie haben wir uns dann geeinigt und ich habe das Haus dann hergeholt und hier aufgebaut.”

Vor der Haustür gehören die drei Hunde, unzählige Schafe, Islandpferde und Katzen natürlich mit zu J. J.’s Familie. “Die Tiere kosten eine Menge Zeit und ich habe dann auch noch so viel Pläne für das Grundstück. Die alte Scheune gegenüber des Haupthauses würde ich gerne wieder aufbauen und am Seeufer soll eine alte, traditionelle Rauchsauna entstehen. Dann würde ich gerne die Birken auf der Südseite fällen, um noch etwas mehr Ackerfläche zu gewinnen. Achja, außerdem wäre es toll, wenn wir irgendwann unseren Energiebedarf selbst decken können – durch große Solarpanels zum Beispiel. Ein paar traditionelle ostfinnische Kühe suche ich schon länger und Hühner will ich mir dieses Jahr noch anschaffen. Es wartet also noch einiges auf mich – aber ich habe ja noch Zeit, bis ich erwachsen bin.”

Begegnungen in Finnlands Osten (2)

Sebastian am 22. Mai 2008 um 21:50

Juha, den Taxifahrer und seinen himmelblauen Ford treffen wir erstmals in Ilomantsi. Der “Busbahnhof” hier in Ilomantsi spricht von weitaus besseren Zeiten: die große geteerte Fläche hinter dem einzigen Supermarkt hat Platz für dutzende Busse. Heute hält nur noch der Bus aus Joensuu an dem heruntergekommenen, verbeulten Blechhäuschen am Rande des Platzes. Mehrmals am Tag bringt gibt es von hier Verbindungen von und nach Joensuu – der nächsten größeren Stadt. “Früher gab es von hier viele weitere Verbindungen” erzählt uns Juha “doch heute ist das anders. Nach und nach wurden alle Verbindungen eingestellt und wir haben nur noch den Bus aus Joensuu hier.”

Wer von hier nun weiterkommen möchte, ist auf solche wie Juha angewiesen. Dennoch: viel zu tun hat er kaum. Das gelbe Schild auf dem Dach mit der Aufschrift “Taksi” braucht er nur selten. Die meisten seiner Fahrten sind regelmäßig und zu einem vereinbarten Tarif. Das Taxameter benutzt er so gut wie nie.
“Morgens und Mittags fahre ich mit meinem Taxi die Schulkinder. Morgens zuerst eine große Runde, dann eine Kleinere um die Kinder in die Schule zu bringen. Mittags dann umgekehrt um sie wieder nach Hause zu bringen.
Dann kommen noch die vielen anderen Fahrten dazu: mehrmals die Woche fahre ich nach Ilomantsi – irgendwer braucht immer was; dort ist ja zum Beispiel der einzige Arzt der Gegend. Oder wie gestern: hier in der Nähe war ein Festival und ich habe die ganze Nacht junge Leute gefahren. Das ist schon sehr anstrengend, die ganze Nacht wach zu bleiben, aber es bringt auch etwas Geld.”

Mit Juha fahren wir in seine Heimatgemeinde Naarva, ein kleines Nest, etwa 12km westlich der russischen Grenze. Kurz nach Ilomantsi verengt sich die Straße, der Teerbelag weicht einer geschotterten Piste und uns kommen kaum noch Fahrzeuge entgegen.
Naarva liegt für uns scheinbar am Ende der Welt. Die Straße schlängelt sich bergauf-, bergab. Die Schlaglöcher werden immer mehr und das Auto schlingert über die vom Schmelzwasser aufgeweichte Schlammpiste. “Finnen mögen solche Straßen nicht” erklärt Juha. “Nur selten kommen Finnen in diese Gegend, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Dabei ist die Gegend wunderschön. Wir haben hier sehr viele Bären, die man beobachten kann. Selbst das Fernsehen kommt immer wieder in diese Gegend, um Bärenaufnahmen zu machen!”

Vor Juhas Haus tut sich eine wunderschöne Landschaft auf. Direkt auf einer Anhöhe gelegen, bietet sich ein Ausblick auf das komplette Umland: dort ein kleiner See, hier eine kleine Lichtung und Wald so weit das Auge reicht. Ein Stück weit entfernt liegt das Ferienhaus das Juhas Vater Onni gehört.
Von der Veranda genießen wir den Sonnenuntergang über dem grandiosen Ausblick und plaudern weiter mit Juha, während sich Onni rührend um die holzbeheizte Sauna kümmert – “… ist natürlich im Preis enthalten”, sagt Juha.

“Die Landschaft und unsere Lage ist herrlich” schwärmt Juha “nur können wir diesen Platz nicht aufessen. Naarva hat längst bessere Zeiten erlebt. Vor einigen Jahren gab es hier eine Post, einen Supermarkt, ja sogar eine Busverbindung. Und heute? Heute sind meine Eltern und ich noch eine der wenigen Bewohner Naarvas. Immer mehr Leute ziehen in die Stadt – vor allem weg nach Helsinki. Und diejenigen die hier bleiben werden immer älter. Junge Leute kommen kaum noch hierher.”

Begegnungen in Finnlands Osten (1)

Sebastian am 20. Mai 2008 um 21:50

In den vergangenen Wochen hat der Frühling Einzug gehalten. Die Bäume zeigen ihre ersten Knospen, das Thermometer klettert deutlich über zehn Grad und die Sonnenstunden werden immer länger.

Für den aufkommenden Frühling hatten wir eigentlich eine mehrtägige Wandertour entlang der russischen Grenze geplant. Dass dort – etwa 450 km nördlich von Helsinki – der Waldboden noch mit 50cm Schnee bedeckt ist, war allerdings nicht geplant und die vorgesehene Tour mussten wir bereits am ersten Tag vorzeitig abbrechen. Ausgerüstet mit unseren prall gefüllten Rucksäcken – Modell “Nepal” – voller Fertigessen und frischer Trekking-Kleidung sitzen wir nun also in Ost-Finnland und haben Zeit für eine Menge anderer Begegnungen.

Nun wäre dies mehr ein Eintrag für das persönliche Tagebuch, denn für diesen Blog, wären da nicht die kleinen, liebenswerten Begegnungen, die uns dort wiederfahren sind. Auf unserem Weg von Naarva – 12 km vor der russischen Grenze, über den Koli-Nationalpark bis nach Joensuu trafen wir ganz besondere Menschen, die uns “ihre” Geschichte erzählten. Geschichten aus Ost-Finnland, von denen ich in den kommenden Einträgen einige vorstellen möchte.

öffentliche Verkehrsmittel

Sebastian am 5. Mai 2008 um 10:59

Wer sich als Rucksacktourist in Finnland bewegt wird sicherlich früher oder später Sätze wie “Finnland besitzt ein hervorragend ausgebautes Netz öffentlicher Verkehrsmittel” lesen. Tatsächlich gehört der öffentliche Verkehr in Finnland zu den Besten weltweit.
Verspätungen bei Bus und Bahn sind äußerst selten und wenn dann handelt es sich nur um wenige Minuten. Meist wird der Fahrplan überpünktlich eingehalten. Zudem ist das Verkehrsnetz im ganzen Land hervorragend ausgebaut und es gibt kaum einen Ort, der nicht mit den “Öffentlichen” erreicht werden kann.

Allein in Helsinki weben die über 60 Linien ein dichtes Streckennetz, das sich durch 11 Straßenbahnlinien, einer Schiffslinie (zur Insel Suomenlinna) und einer Metrolinie (übrigens das nördlichste U-Bahn-Netz weltweit) ergänzt. Unter den berühmten gelb-grünen Straßenbahnen der Verkehrsbetriebe ist die Linie 3T besonders bekannt. Sie verkehrt vor allem in der Innenstadt und hält an vielen Sehenswürdigkeiten. Die Linie ist also ideal um die Stadt zu erkunden, was auch die Verkehrsbetriebe erkannt haben und ein extra Faltblatt “3T – Sightseeing” herausgegeben haben in dem alle Sehenswürdigkeiten entlang der 3T erläutert sind (kostenlos in der Tourist-Information erhältlich).

Wer erstmals mit dem Bus in Helsinki unterwegs ist, muss einen nahenden Bus per Handzeichen auf sich aufmerksam machen. Normalerweise wird eine Haltestelle von einer Vielzahl von Bussen bedient und so halten vorbeifahrende Busse nur, wenn man sich rechtzeitig per Handzeichen bemerkbar macht. Wenn nicht jemand aus diesem Bus aussteigen möchte, wird die Haltestelle sonst nicht bedient.

Mit der Straßenbahn \

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